"Leere Spiegel spiegeln leere Spiegel:
keine Person nötig, die sich identifiziert
- alles sich gegenseitig hervorrufend!"
LDL 2022

Wir danken einer LDL-Leserin für ihre Email-Fragen: "Ist das Vorhandensein eines Ich-Gefühls ein Zeichen dafür, dass ein Ego vorhanden ist oder ist das Ich-Gefühl dem Sein innewohnend? Allumfassendes ICH sozusagen, in dem Bewusstsein, dass es kein Ego-Ich gibt?" Die LDL-Antwort:

SPIRITUELLER DEEPFAKE: META-ICH ALS SUPER-EGO

Ein (guter) Guru würde zurückfragen: WER fragt das alles? WER denkt sich diese Fragen aus? Wenn Du das weisst, kennst Du den Unterschied zwischen Ego und Ich. Aber das soll ganz und gar nicht geheimnisvoll besserwisserisch klingen, daher ein Zusatz: das "Gefühl" ist ein guter Ansatz, der leider meist in den Spiri-, Psycho-, Encounter-, Retreat- und Satsangszenen entweder völlig überbewertet wird (um Selbsterfahrungen in sogenannten "erweiterten" Bewusstseinszuständen zu beschreiben) oder total degradiert (als konditionierte Ego-Projektion und Charakterpanzer), weil das EGO mit Gefühlen nicht klar kommt, sie weder auflösen kann noch ihnen glauben mag. Das natürliche Ichgefühl kann (und braucht) allerdings gar nicht "allumfassend" zu sein, weil es sich ganz einfach nur auf ALLES bezieht, was JETZT DA ist, d.h. je größer und weiter der Wahrnehmungshorizont desto unendlicher ist ganz praktisch betrachtet das Ichgefühl. Es kann sich also rein theoretisch so weit ausdehnen, dass es sich tatsächlich "ganz eins mit allem" fühlt, denn das Ich selber ist IST immer genau DAS, WAS es fühlt. Es ist niemals etwas anderes ausserhalb seines direkt fühlbaren Radius im Sinne von "Wahrnehmbarem". Das Ego dagegen will ja gar nichts wahrnehmen, es möchte sich isolieren von allem, in der Hoffnung, irgendwie "eins mit sich selbst" zu werden und dann ein großgeschriebenes "ICH" zu sein. Aber WER soll dann die Existenz dieses metaphysisch gesäuberten Super-Egos bemerken? Du denkst jetzt sehr richtig: wie absurd! Genau, die Katze beisst sich in den eigenen Schwanz - die sich selbst suchenden Schildkröten stehen auf weiteren Schildkröten! Aber woran liegt das? Das Ego ist eigentlich nur die menschliche Fähigkeit zur Metareflexion, also sein eigenes Sein/Ich zu beobachten, festzustellen, zu wissen: "Ich bin". Denn: WER sagt zu sich "ich bin" ? Eigentlich das Ich selber, aber es benötigt dazu die Sprache, die das Wort Ich benutzt, also in den Spiegel schaut und sich selber erkennt. Kannst Du Dich OHNE SPIEGEL erkennen, fühlen, wahrnehmen? Ist der Spiegel sogar LEER? Dann gehörst Du zu den Glücklichen, die einfach nur in sich ruhen und beim in die Sterne schauen spüren: "ICH BIN DIE STERNE", weil das direkt Wahrgenommene zum ausschließlichen Bewusstseinsinhalt wird. Wir bevorzugen daher den Begriff "SPÜREN", um den Rattenschwanz aller Konnotationen des geschichtlich überfrachteten und total inflationierten Wörtchens "fühlen" zu vermeiden. Wenn Du "Dich" egofrei (also ohne permanente Selbstbespiegelung) spürst, nimmst Du einfach nur ALLES WAHR, was JETZT DA ist. Wenn Du zu Deinem Gesprächspartner aus dieser Haltung heraus "ich liebe Dich" sagst, ist der Satz im Grunde ein Pleonasmus; denn das Ich IST das Du, das es wahrnimmt und sich zum Bewusstseinsinhalt ausweitet. Dieses erleuchtete Ichgefühl/Dugespür könnte auch genau so gut sagen "DICH LIEBE DICH", da kein Ich ausserhalb dieser Formel wohnt. Der leere Spiegel spiegelt einen leeren Spiegel: da geschieht diese reine Wahrnehmung dessen, WAS IST! Dazu ist keine Person nötig, die sich mit etwas identifiziert - alles befindet sich im unendlichen leeren Flow, sich gegenseitig hervorrufend und bedingend...

 

 

Der einfache, direkte, erwachte Mensch ist ein nichtdenkender Niemand:

HEILIGES WISSEN ALS SOFTPORNO SPIRITUELLER SUCHER

Vom Schüler über die Meisterschaft zum Menschsein danach: Solange jemand Fragen stellt, werden Antworten gesucht. Solange sich jemand "eins mit allem" fühlt, wird das Ganze als eine einzige letzte große Antwort erfahren. Aber erst wenn niemand mehr denkt, lösen sich alle Fragen mitsamt der erleuchteten Antworten auf und der einfache, direkte, erwachte Mensch beginnt zu leben. Triffst Du einen solchen Nichtdenkenden, spürst Du pure Liebe, aber niemanden, der liebt. Das "heilige Wissen" ist der spirituelle Softporno für Schüler, verkauft von notgeilen Meistern. Der erwachte Mensch dagegen erkennt sein eigenes Gesicht im Spiegel herabfallender Regentropfen und sagt dazu "ich", solange es regnet. Später vertreibt die Sonne dieses Ichgefühl. Dann zwitschern nur noch die Vögel ihre wundervollen Melodien unendlicher Leere.

 

 

Medienhysterie & Desinteresse:

EGO-ENGAGEMENT/EMPATHIE

Dein Ego fragt sich: "Es ist scheinbar Krieg, aber mich interessieren die Informationsfluten nicht, deren Wahrheitsgehalt ich nicht prüfen kann. Hier und jetzt erfahre ich nur das wunderbare Leben in unmittelbarer Berührung mit mir selbst. Bin ich dadurch ignorant gegenüber dem medial vermittelten Leid der Menschen? Versäume ich, mich zu engagieren, damit der Krieg sich nicht ausweitet?"

Wie lässt sich ein Ich "unmittelbar" betreffen und wie kann es nur "mittelbar" betroffen sein? Wo befindet sich das Ich, um "betroffen" zu sein, sich also treffen zu lassen (Pfeil trifft Ziel) und wer sagt von sich, was ihn "betrifft", also auch, was ihn nicht betrifft? Wie und wo zieht das Ich die Grenze, um zwischen unmittelbar und mittelbar zu unterscheiden? Wo und wie also zieht das Ich einen Kreis um sich sich und definiert sich dadurch: hier innen im Kreis bin ICH, da draußen außerhalb des Kreises ist die Welt, die mich trifft, berührt etc? Es immer das separierte Ich, das sein vermeintliches Drumherum irgendwie interpretiert: Das Leben ist nicht "wunderbar". Das Ego interpretiert es mal als wunderbar, mal als verwundbar. Das Leben selber ist aber nur das Leben.

 

Solange das Ego noch an sich selbst interessiert ist, erfindet es Fragen über sich und seine Stellung in der Welt, als könne sich eine illusorische Instanz geographisch und moralisch positionieren - wie absurd! Die eigentliche Frage lautet: WER ("ich") fragt das alles und meint WEN ("mich")? Findest Du dieses Ich irgendwo, das "sich selber" meint? Falls nicht: läuft das grammatische Ich ins Leere. Wer ist "in Berührung mit sich selbst" und wie macht das Ich das: sich selbst berühren? Genau: da ist nichts, weder ein Selbst, das berührt werden kann noch ein Ich, das sich selbst berührt! Es folgt vielleicht Trauer und Wut über diese schockierende Erkenntnis, aber auch hierbei gilt: es ist nur das Ego selbst, das schockiert ist! Das Desinteresse der Wahrnehmung am Ego gewinnt nun endlich mehr Macht über DEIN SEIN als die psychoiden Strukturen der Sprache, die Dich mit ihren Selbstgesprächen verrückt machen wollen und niemals schweigen werden - das Ego ist eine nie endende Nervensäge!


Es gibt weder Frieden noch Krieg noch die Welt oder ein Hier und Jetzt. Das sind alles nur pauschale Begriffe, die dem vom Fluss (scheinbar) abgespaltenen Ego das abstrakte Gefühl geben, es könne das Meer in einzelne Farbflächen einteilen. Aber sobald sich der Himmel mit seinen vorbeiziehenden Wolkendecken verändert, erscheint das Meer schon in neuen Farben aufgrund der sich permanent ändernden Spiegelung. Das Meer selber ist farblos und unsichtbar wie die Lichtpartikel, bevor sie sich zum Regenbogen brechen. Alles tanzt umeinander in zeitlosem durchsichtigem Fluss. Dabei zerfallen Atome und neue Moleküle kombinieren sich. Wenn das Ich meint, "jetzt" sei nur "hier" und alles andere "berühre" nicht "unmittelbar", dann ist der Pfeil noch nicht eins mit dem Ziel: JEMAND spannt noch bedeutungsvoll konzentriert den Bogen und glaubt, "jetzt" sagen zu können, als gäbe es hinterm Horizont der Wahrnehmung irgendwann ein geheimes, unberührbares Nichtjetzt (gleich oder gestern?) oder irgendwo ein unerreichbares Nichthier (dort oder drüben?) - aber NIEMAND kann Pfeile abschießen, die es nur in der "eigenen" VORSTELLUNG gibt! Niemand kann Ziele treffen, die es nur in der "eigenen" ERFINDUNG gibt! Niemand erfährt "wunderbares Leben", weil das Leben sich lediglich selber ERLEBT. Die Horizontlinie ist immer nur abhängig vom Radius des kleinen, beschränkten Egos, das selber seine künstlichen Grenzen der Was-ist-"Wahr"-Nehmung zieht!


Wäre Deine Präsenz in der Ukraine, würde Dein Gewehr automatisch schießen, wenn es von einem anderen Gewehr bedroht würde. Dazu bedarf es keines ICHs, das töten WILL (der Deepfake des "eigenen Willens"), sondern nur zweier Gewehrläufe, die sich wie programmierte Tiere instinktiv magnetisch anziehen. Das brutale Gemetzel ist eine automatische Form des Molekültanzes, der neue Strahlungswerte generiert. Trauer, Schmerz und Verzweiflung sind Konsequenzen der Ichdefinition, die sich an Gestriges erinnert und mit einem Gleich vergleicht...

 

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2002 hatte die neue Satsang-Bewegung ihren Zenit bereits überschritten. Aus Satsang wurde allmählich Satire, aus Erleuchtung wurde Erschöpfung: das spirituelle Burn-out machte sich breit. Umso leichter wurde es, sich in einen Guru zu verwandeln und Geld mit dem NICHTS zu verdienen. Die LDL macht ab 2020 nur noch BEACH YOGA und empfängt Dich kostenlos ohne Scheinprobleme!

 

"Während ich mir Mühe gab, dem Blick standzuhalten, und immerzu in seine Pupillen starrte, beschlich mich das Gefühl, ins Leere zu sehen. Ja. Da war überhaupt nichts. Da war keine Persönlichkeit. Es war, als säße da eine Hülle, durch deren Einlässe ich direkt ins Vakuum blickte. Niemand. Kein Anhaltspunkt. Kein Widerstand."  Dietmar Bittrich & Christian Salvesen, DIE ERLEUCHTETEN KOMMEN (2002)

 

Als 8.Buch ist seit Ende Mai 2020 die Best-of-Compilation "IMMUN - JEDER MENSCH IST EIN DIPLOMAT" lieferbar!