"GESCHMACKLOSES" ERWACHEN?

(Aus dem Vorwort des Buches "DIE PSYCHOLOGIE DER ICHLOSIGKEIT")

 

Warum eigentlich dieses Buch schreiben? Ich habe keinen Missionierungseifer. Ich bin nur und war immer ein sozial veranlagter Mensch, daher stelle ich meine Informationen der Neugier anderer Freigeister zur Verfügung. Meine eigene Wahrnehmung ist hier mein eigenes Forschungsobjekt, da ich es selber erstaunlich finde, dass die letzte große Antwort so trivial sein kann, nachdem die spirituelle Suche so qualvoll war. Auf meinem Lebensweg bin ich außerdem vielen Menschen mit psychiatrischen Diagnosen begegnet, deren Leben teilweise bereits zerstört war, durch die Symptome, die Medikamente und vor allem den Irrglauben, ein Ich zu haben, das all diese Traumata, Psychosen, Depressionen und Suizidwünsche hätte. Darum macht es mich sehr traurig zu sehen, dass diesen liebenswerten Menschen nicht geholfen werden kann, weil ihnen die Psychiatrie nicht beibringt, die Ich-Illusion aufzulösen, sondern eifrig bemüht ist, das kranke, kaputte Ich zu reparieren, optimieren, auszubalancieren, zu enttraumatisieren (was allerdings nur in fragiler Symptomverwaltung mündet) und alltagstauglich und arbeitsfähig zu machen, was zumeist wenn nicht in klinischer, so doch zumindest in medikamentöser Langzeitfolter endet.

 

Warum sollte ich mein gesammeltes Wissen nicht zur Verfügung stellen, nur weil es bei mir kein Ich gibt, das das tun MUSS? Statt Däumchen zu drehen und mich "egoistisch" an der Schönheit des Wunders UNIVERSUM zu erfreuen (wozu Gott, Sinn und irgendeinen esoterischen Überbau für etwas, das in sich selbst schon ein Wunder zum Staunen ist!), habe ich seit 2014, als mein Ich "verpuffte", wie es Andreas Müller nennt, bereits einige Menschen in ihrem Prozess unterstützen können, die z. B. vorher viel Geld für sektiererische Events ausgaben (Retreats, Gurus, Workshops, Ausbildungen zu Quantenquatsch & Co.) und dank meines "brutalen" Feedbacks kapieren, dass sie sich SELBSTHYPNOTISCH im Kreise drehen. So wie Du vielleicht auch? Aber vielleicht strebst Du gar nicht das triviale "Erwachen" an, sondern möchtest Deine Selbstlüge so wie der Verräter im Film MATRIX lieber im virtuellen Geschmack von Fleisch vergessen? Halt, es ist in Wahrheit andersrum: der Geschmack ist nämlich absolut echt, aber das Ich, das behauptet, der Schmeckende, Riechende, Beissende zu sein, das ist virtuell. GESCHMACK an sich ist ja wundervoll, eine sensationelle Eigenschaft der Natur, sowohl für Tiere, Menschen als auch erwachte Scheinheilige. So mancher Guru wurde daher bei Alkoholkonsum und verbotenem Sex erwischt und ihm darum von seinen enttäuschten Anhängern die Lizenz zum Erleuchten entzogen.

 

Das echte, absolute Leben IST nunmal sinnlich, oder wie der Slogan es auf den Punkt bringt: "ICH SCHWITZE, ALSO LEBE ICH!" Das Entscheidende liegt darin, dass es einfach kein "inneres Ich" gibt, kein identitäres Bewusstseinszentrum, das "Geschmack" und das gesamte sinnliche Echtsein als sogenannte SELBSTerfahrung verarbeitet und dann von sich sagt, "mir" hätte es gut geschmeckt, einer imaginären Person in einem zum Korsett degradierten, tabuisierten und aufgrund seiner Vergänglichkeit verteufelten Körper. Dieser Identitätsirrglaube basiert auf einem traditionellen Missverständnis des völlig überstrapazierten Wörtchens Ich, das eine rein grammatikalische Funktion erfüllt, um eine konkrete Position des realen Menschen zu kommunizieren, nicht aber ein metaphysisches Hirngespinst. Darum sind auch sämtliche anderen Hoffnungen reiner Aberglaube, wie z. B. das beliebte Gerede vom Abgespaltensein des Ichs und dessen Sehnsucht nach Einswerdung bei gleichzeitiger Angst davor, sich auflösen zu müssen, um eins zu sein, weil geglaubt wird, die ganze Existenz sei erbarmungslos Ich-gesteuert, ja sie bestünde überhaupt nur, weil ein angebliches Ich sie totalitär (er)führe.

 

Das wesentlich Schockierendere an diesem Affentheater ist aber die Tatsache, dass sowohl das Getrenntsein als auch das Einssein eine Selbstlüge des suchenden oder vermeintlich gefundenen Ichs darstellt, weil dieses Ichgefühl selber nur eine gedankliche Fiktion ist, die das Denken wie ein Virus befallen hat und alle Wörter zu einer gigantischen Blase verklebt, die sich als Psyche aufspielt und die Menschheit virtuell versklavt. Die simple Wahrheit lautet leider: NIEMAND ist eins mit etwas oder mit etwas Ganzerem verbunden. Da ist schlichtweg niemand, der das sein könnte. Die frohe Botschaft lautet stattdessen: ALLES IST einfach eins, zwei, null und miteinander verbunden. Das ist DAS GANZE, das sich in seinen einzelnen Eigenschaften erfährt, die als Objekte der Wahrnehmung auftauchen und dann wie Wolken wieder verschwinden.

 

 

Autor: Tom de Toys, im Februar 2026 - erstveröffentlicht auf seiner Website NEUROATHEISMUS

Hervorhebungen (fett bzw. kursiv) entsprechen der Originalvorlage des Autors.

Absätze wurden von der LDL der besseren Lesbarkeit halber eingeführt.

 

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