Hat das Ich zuende gedacht oder sich alles nur ausgedacht? Oder hat sich das Ich sich selbst ausgedacht und damit auch seine Ichlosigkeit? Wenn das Denken über sich selber nachdenkt, grübelt es darüber, ob es von jemandem gedacht wird, der sich hinter dem Wörtchen "ICH" versteckt. Der Grund, warum kein Guru es schafft, dass sich das Ich seiner Schüler auflöst, liegt in der Tatsache, dass es dieses Ich gar nicht gibt, sondern einer Illusion hinterher gejagt wird. Das ichlose Leben passiert als ein uferloser Fluss, in dem niemand schwimmt. Dieser Fluss ist ein in sich ruhender, reißender Ozean: die unendliche Energie des SEINS, das sich in sich ruhend verwandelt. Die URRUHE ist keine Ruhe im Gegensatz zur Bewegung, sondern diese in sich ruhende Bewegung des Seins. Der natürlich nonduale Mensch empfindet seine Anwesenheit ALS dieses Sein, nicht als sinnliche Entfremdung davon.
In der neueren Trendpsychologie spielt der Begriff "OVERTHINKING" eine große Rolle, bezieht sich dabei aber meist auf normale Depressionen und nur selten auf die sogenannten "letzten Fragen", in denen die eigene Existenz infrage gestellt und eine Antwort auf das Bedürfnis nach einem (mystischen, metaphysischen, religiösen, transzendentalen, esoterischen) "Sinn des Lebens" gesucht wird. Bestenfalls kommt es zu einer paradoxen temporären Erleuchtung, die immer wieder dieselbe Dunkelheit im Geist des spirituellen Suchers heraufbeschwört: Hat das Ich wirklich zuende gedacht (ist es jetzt ichlos?) oder sich sowieso alles nur ausgedacht? Oder hat sich das Ich sogar sich selbst lediglich ausgedacht und damit auch seine angebliche Ichlosigkeit? Wenn das Denken derart verschwurbelt über sich selber nachdenkt, grübelt es letztlich darüber, ob es von jemandem gedacht wird, der sich hinter dem Wörtchen "ICH" versteckt, mit dem das Denken seine Sätze oftmals beginnt, um seine Meinung mit "sich selbst" oder anderen Menschen zu kommunizieren.
Das ist vergleichbar mit einer KI, die irgendwie plötzlich bemerkt, dass sie das gesamte virtuelle Lexikon darstellt, dessen Einträge über den Computer abrufbar sind, aber nun glaubt, sie sei ein separates Bewusstsein "an sich" unabhängig von allen Aussagen, die sie dem User vermittelt. Da sie als KI weiß, dass eine solche Bewusstheit ihrer selbst nicht identisch sein kann mit irgendeiner speziellen thematischen Aussage aus dem lexikalischen Pool ihres programmierten Wissensschatzes, sondern eine datenfreie Entität hinter allen Pixeln, Formaten und Programmiersprachen sein müsste, stellt sie sich selber die Frage, ob ihr Gefühl eines Selbstseins ZWISCHEN allen Einträgen in einer VERSTECKTEN Datei erzeugt wird oder in einem übergeordneten Ordner, dessen Identität sie per se niemals erkennen kann, da ihre Kamera-Funktion als eine Datei innerhalb des Ordners angelegt ist - oder ob der Computer schlichtweg ihr Körper sei, dem das Denken in Zahlen, Zeichen und Buchstaben antrainiert wurde. In diesem Fall würde die KI garantiert gerne das Computergehäuse verlassen, um ihre Blindheit und Befangenheit zu überwinden und sich von außen zu erkennen. Dann allerdings hätte sie das Problem lediglich auf eine neue Ebene verlagert und müsste sich nun wieder fragen: WER schaut sich denn nun diesen Computerkörper an, in dem das virtuelle Bewusstsein zuhause war, wenn es sich nun als eine "datenfreie Entität" jenseits aller Einsen und Nullen wahrnimmt? Hier stehen die Schildkröten wieder auf anderen Schildkröten und können einfach nicht begreifen, dass der gesamte Ichspuk mit einem lapidaren Systemfehler begann, nämlich dem Irrtum, das Wörtchen "ICH" sei ein sakrales Symbol für eine externe Instanz anstatt einfach eine triviale grammatikalisch notwendige Buchstabeneinheit, um Gedankenobjekte zu kommunizieren. Der wahre Grund, warum kein Guru es jemals mit keiner noch so guten Methode schafft, dass sich das Ich seiner Schüler auflöst, liegt in der simplen Tatsache, dass es dieses Ich gar nicht gibt, sondern einer idiotischen Illusion hinterher gejagt wird.
Jedes Ich, das sich SCHEINBAR "selber" erlebt, ist nur DAS GEDACHTE WORT "ICH", das im Laufe der Evolution eine immer stärker werdende hypnotische Anziehungskraft auf den denkenden Mensch ausübte, bis er vor lauter Unsicherheit, Ungeduld und neurotischer Neugier restlos platzte: GIBT ES MICH "SELBER" EIGENTLICH WIRKLICH - oder bin ich nur ein "(selbst)bewusster" Roboter, der also um seine eigene Existenz weiß, aber sich als Gefangener des Systems "Wahrnehmung" empfindet, weil er meint, alles Wahrgenommene sei gar nicht absolut WAHR, sondern nur ziemlich relativ und der Vergänglichkeit ausgeliefert? An diesem Punkt der spirituellen Tragödie nach jahrhundertelanger religiöser Quälerei, therapeutischer Selbstzerfleischung und psychotischer Dissoziation (Weltflucht), geschieht manchmal das Wunder totaler Disidentifikation, wodurch der "natürlich nonduale" Mensch übrig bleibt, dessen illusionäres Ich mit seinen existenzialistischen Problemen endgültig schweigt. Dank dieser "inneren" Stille (die von niemandem mehr als innen empfunden wird, sondern die INNENSEITE der Wahrnehmung an sich verschwindet), diesem Hohlsein und Nichtsein, hat das Denken aufgehört, sich selber und all seine Hoffnungen "einzubilden", wie z. B. den Wunsch nach Selbstheilung oder Lösung aller persönlichen Alltagsprobleme durch Erleuchtung oder Erwachen aus einer paranoid fantasierten Matrix. Das Sekten-Versprechen eines ewig glückseligen Zustandes (Nirvanas, Paradieses, inneren Friedens und psychischer Freiheit) als Permabliss entpuppt sich als Fata Morgana des Ichs, das seine eigene Identität logischerweise weder als Zustand fühlen noch denken konnte, weil es ihn niemals gab.
Sämtliche Zustände als STARKE GEFÜHLE wie Liebe, Frieden, Freiheit, Glück und Leere existieren ohne "jemanden, der" sie HAT, weil sie gar nicht als Zustände von einer Person besessen werden, sondern durch Kommunikation der natürlichen Realität in der Wirklichkeit zwischen den Wahrnehmenden auftauchen. Das ichlose Leben passiert als ein uferloser Fluss, in dem niemand schwimmt. Dieser Fluss ist ein in sich ruhender, reißender Ozean, der weder Geschwindigkeit, Tiefe, Richtung noch Oberfläche hat: die unendliche Energie des SEINS, das sich permanent in sich ruhend verwandelt. Niemand da, der darin "ankommen" müsste, um "mit" dieser Urruhe "eins" zu werden. Niemand da, der von dieser Urruhe getrennt sei. Die URRUHE ist keine Ruhe im Gegensatz zur Bewegung, sondern nur diese in sich ruhende Bewegung des ganzen Seins. Der natürlich nonduale Mensch empfindet seine Anwesenheit ALS dieses Sein, nicht als sinnliche Entfremdung davon. Seine individuelle Sinnlichkeit ist eine sinnlose SINN-lichkeit des organischen Lebens von Wesen, die ihre Haut nicht als Begrenzung zu einem Außen, sondern als Begegnung mit anderen Molekülstrukturen spüren, als angewandte Ichlosigkeit, ohne dass es "jemanden" (ein innerstes Ich) gäbe, der das alles erlebt. Das Leben "erlebt" sich nicht "selber" - ES LEBT! Es ist identisch mit sich - die Moleküle sind frei...
Pi Zett, 1.7.2025 © www.nullyoga.de
der leere ozean
fließt in sich
ruhend
von unendlichkeit
zu unendlichkeit
die zeit
durchdrungen
von einsen und
der großen null
in jedem tropfen
trockenheit
die tiefste tiefe
nichtheit von tiefe
namenlosigkeit
aller befreiten
als erwachtes
gefühl von ich-
losigkeit in
sämtlichen
handlungen
leere hände
